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Rezension von Dr. Andrej König

Moderne Heimerziehung heute. Band 4. Systemische Interaktionstherapie und unterstützende Methoden in der Praxis.

Hrsg.: Volker Rhein. FRISCHTEXTE Verlag Herne 2013. 267 Seiten. 29,95 €.

 

Eine Vielzahl wissenschaftlicher Studien zeigt, dass Elternaktivierung maßgeblich den Erfolg oder auch Misserfolg der pädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen bestimmt. Im 4. Band „Moderne Heimerziehung heute“ liegt der Fokus auf der systemischen Interaktionstherapie (SIT) als einer Methode der elternaktivierenden Arbeit in der pädagogischen Praxis.

 

Im ersten Kapitel des 4. Bandes (S. 13 – 96) gehen die Autoren Michael Biene, Thomas Paluszek und Prof. Dr. Mathias Schwabe auf die therapeutische Haltung innerhalb des SIT-Ansatzes ein. Das im Bereich der Jugendhilfe entwickelte SIT-Modell zielt darauf ab Kindern und Jugendlichen eine optimale Förderung durch ihr familiäres oder professionelles Umfeld bieten zu können. Dies bedeutet aus Sicht der Autoren allerdings auch sich mit dem Gedanken auseinanderzusetzen, dass pädagogische Hilfemaßnahmen zu einer Verschlechterung des Problems führen können. Vor dem Hintergrund aktueller wissenschaftlicher Diskurse zur Effektivität von Jugendhilfemaßnahmen ist dies ein bemerkenswerter und wichtiger Gedanke, der auch im pädagogischen Alltag oftmals übersehen wird. So wie kein Medikament ohne Risiken und Nebenwirkungen existiert, können auch pädagogische Interventionen das Risiko einer Destabilisierung der Eltern-Kind-Beziehung bergen. Darüber hinaus berücksichtigt das SIT-Modell die Kommunikationsprozesse innerhalb oder zwischen professionellen Systemen, wie beispielsweise Jugendämter, Schulen oder Kinder- und Jugendpsychiatrien.

 

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Onlinerezension zu ‚Moderne Heimerziehung heute, Band 4‘ auf ‚socialnet.de‘

Eine Rezension von Dr. in phil. Marianne Forstner

 

Auf der Internetplatform www.socialnet.de ist eine Rezension des Buches 'Moderne Heimerziehung heute, Band4' erschienen.

Hier ein Auszug aus der Rezension und der Link auf den Original-Artikel :

"[…]Das vorliegende Buch „Systemische Interaktionstherapie und unterstützende Methoden in der Praxis“, herausgegeben von Volker Rhein (2013), stellt eine anschauliche Sammlung von elternaktivierenden Angeboten, Elterntrainings und Konzepten und Methoden im Bereich der ambulanten und stationären Erziehungshilfen in Verbindung mit dem SIT-Ansatz (Systemische Interaktionstherapie) dar.[…]"

Link zum Artikel auf www.socialnet.de : http://www.socialnet.de/rezensionen/15751.php

Rezension von Prof. Dr. Richard Günder

Erschienen in "Unsere Jugend", Reinhardt Verlag, München
Rhein, Volker (Hrsg.), 2009: Moderne Heimerziehung heute. Beispiele aus der Praxis.
Herne: Frisch-Texte-Verlag, 202 Seiten, € 24,80
 
Das vorliegende Buch wurde herausgegeben vom Geschäftsführer einer Jugendhilfeeinrichtung in kirchlicher Trägerschaft. Die Institution verfügt über ein sehr differenziertes Angebot stationärer Erziehungshilfen.
Den größten Teil des Praxisbandes nimmt die Abhandlung von Sara Anna Wirbals über „Die systemische Interaktionstherapie im Kontext der Heimerziehung“ ein. Diese basiert auf strukturierten methodischen Ansätzen systemischer Vorgehensweisen und wird als neues Konzept der Elternaktivierung innerhalb der Heimerziehung verstanden. „Natürliche“ Familienverhältnisse und Rollen werden akzeptiert, um mit professioneller Unterstützung diese zu entwickeln und zu festigen. Zielsetzung ist eine adäquate Ausübung der erzieherischen Elternfunktion. Als Leitidee gilt, Eltern unbedingt wertzuschätzen, denn sie sind die Experten für ihre Kinder. Unter Beachtung der individuellen Interaktions- und Beziehungsmuster werden gemeinsam problemorientierte Lösungen erarbeitet. „Als grundlegend gilt dabei, dass die Erziehungsziele für alle Beteiligten stets explizierbar und bewusst sind, damit die erzieherischen Angebote und Leistungen zielorientiert erfolgen und sich im Ganzen als sinnvoller erzieherischer Prozess erweisen“ (S.120).
 
Kersten Tübing beschreibt in zwei unterschiedlichen Beiträgen die Möglichkeiten des motopädagogischen Arbeitens im Rahmen einer individualpädagogischen Krisensituation und stellt Beispiele erlebnispädagogischer, handlungsorientierter Trainingsmaßnahmen vor. Die Verfasserin legt dar, dass motopädagogische Ansätze sich als individualpädagogische Krisenintervention innerhalb der stationären Erziehungshilfe eignen. In Verbindung mit verhaltenstherapeutischen Programmen wird „Bewegtsein“ als grundlegender Bestandteil des Wohngruppenalltags angesehen. Die neuen körperlichen Erfahrungen lösen oftmals veränderte, positiv zu bewertende Einstellungen auf Körper und Psyche aus.
 
Alexandra Leu setzt sich mit Aspekten psychomotorischer Förderungen junger Frauen mit Essstörungen auseinander. Innerhalb des Intensivangebots „Via Annie“ wird die psychomotorische Förderung essgestörter junger Frauen als sinnvolle Praxis einer individuell ausgerichteten Körper- und Entspannungspädagogik aufgezeigt.
 
Norbert Meller und Martin Klafke stellen ihr Konzept zur Gewaltprävention in einer stationären Einrichtung der Erziehungshilfe vor. Das H.E.A.R.T.- Konzept (Holistic & Educational Anger Response Training) richtet sich an gewalttätige und schwer traumatisierte Kinder und Jugendliche. Auf der Grundlage taoistischer Philosophie wurde ein ganzheitlich erzieherisches Intensivprogramm entwickelt, welches sich auf Trainingsmaßnahmen der Kampfkunst zentriert. Das Kampfkunsttraining verfolgt die Zielsetzung einer Selbstregulationstherapie „mit folgenden inhaltlichen Anforderungen:
  • Arbeit an den Quellen, d. h. traumapädagogische Lebensbewältigung,
  • Umwandlung der inneren Anspannung in Entspannung,
  • Umlenkung negativ aggressiver Entladung in positive Energie,
  • Entwicklung eines positiven und leistungsbereiten Selbstbildes,
  • eingebettet in ein lebenspraktisches, philosophisch orientiertes Weltbild, geprägt von Respekt und Würde im Umgang miteinander und mit der Natur“ (S.171).
Schon bald nach Beginn der Trainingsmaßnahmen zeigen sich bei den jungen Menschen positive Veränderungen hinsichtlich ihrer sozialen Kompetenz.
 
Heimerziehung bewegt sich schon längst nicht mehr überwiegend im traditionellen, scheinbar bewährten Rahmen. Heimerziehung ist heute sehr differenziert und immer mehr auf die „Kunden“ ausgerichtet. Die in diesem Buch von PraktikerInnen vorgestellten neuen Konzepte sind hoch innovativ und damit überaus instruktiv. Theoretische Bezüge und konkrete Praxisbeispiele verdeutlichen jeweils die neuen pädagogischen Vorgehensweisen. Das Buch macht zudem Mut, denn es wird unter Beweis gestellt, wie mit Engagement und Zielstrebigkeit die Praxis der stationären Erziehungshilfe auch schwierigsten Anforderungen gerecht werden kann.
 
Prof. Dr. Richard Günder

Rezensionen ‚Moderne Heimerziehung heute‘ Band 2-3

Moderne Heimerziehung heute – Band 2 und Band 3
 
Die Systemische Interaktionstherapie und die Psychomotorik in der Intensivpädagogik 
 
In diesem Doppelband "Moderne Heimerziehung heute" finden Sie zwei Artikel zur Theorie und Praxis der Psychomotorik in der Intensivpädagogik, sowie zwei Artikel zur Systemischen Interaktionstherapie im Rahmen der Erziehungshilfen. Im vorliegenden Fachbuch werden theoretische Ansätze und Methoden beschrieben, die in der Ev. Kinderheim Jugendhilfe Herne & Wanne-Eickel gGmbH ihre Anwendung finden. Genau wie unser erster Band "Moderne Heimerziehung – Berichte aus der Praxis" verfolgt 
dieses Buch die Absicht, pädagogischen Fachkräften Fachkräften aus Schulen, Ämtern, Einrichtungen der Erziehungshilfen, im Sozialwesen Tätigen sowie interessierten Laien die Praxis in den stationären Erziehungshilfen greifbar zu machen. 

Wir zeigen, wie und womit heute moderne Heimerziehung konfrontiert ist und welche Antworten das Ev. Kinderheim Herne für / auf diese damit verbundenen Herausforderungen 
findet. 

In einer sehr verständlichen Sprache wird wird die Entstehung des Ansatzes der "Systemischen Interaktionstherapie" zunächst im historischen Kontext der Kinder- und 
Jugendhilfe beleuchtet. Es geht dabei über die üblichen systemischen Ansätze hinaus, weil er nicht nur die Eltern, sondern auch das Jugendamt und andere für die betroffenen Kinder und Jugendlichen bedeutsame Institutionen mit einbezieht. Die Orientierung an den hier dargestellten Grundannahmen bilden die Basis erzieherischer Haltung und somit 
Voraussetzung für eine gelungene erzieherische Arbeit. Die Entwicklung eines Phasenmodells mit konkreten Beispielen bietet eine Fülle von Anregungen für diese Praxis, 
die mit der Methode des Rollenspiels mit den Erzieherinnen eingeübt werden kann. Die gleiche Methode wird auch für die Arbeit mit den Eltern empfohlen: Rollenspiel als Diagnose und Lernmodell für die Elternarbeit – ein interessanter und wie es scheint erfolgreicher Ansatz. 
Der Ansatz ist systemisch und ressourcenorientiert, er lenkt den Focus weg vom Individuum und bezieht das Umfeld des Kindes und Jugendlichen mit ein, schießt aber dabei aus meiner Sicht etwas über das Ziel hinaus, da das Kind und der Jugendliche darin nicht mehr vorkommen. Es geht nur noch um die Arbeit der Eltern, denen schließlich auch die "Schuld" in die Schuhe geschoben wird. " Wenn die Eltern ihr Erziehungsverhalten verändern, …, ändern die Kinder nach einer kurzen Zeit. des Testens ihr Verhalten sehr schnell" ( S 121 ). 
… 
In Band 3 dieses Doppelbandes steht die Psychomotorik in der Intensivpädagogik im Mittelpunkt. Holger Jessel stellt in seinem ersten Artikel in diesem Buch die " 
Psychomotorische Entwicklungsbegleitung in der Intensivpädagogik" dar. Hier wird insbesondere die Gewaktprävention aus psychomotorischer Sicht behandelt. 

Nach einer ausführlichen Darstellung der Problemlage der Kinder und Jugendlichen in unserer Gesellschaft stellt Jessel verschiedene Konzepte als Grundlage für seinen eigenen 
Ansatz vor. Identitätsarbeit, reflexible Leiblichkeit, Habistuskonzept, Bedürfnisansatz nach Grawe, Konzept der Salatugonese und schließlich Ansätze der Psychomotorik in iher 
Relevanz für seinen eigenen " multiperspektivischen Ansatz der psychomotorischen Gewaltprävention", deren Systematisierung sich in weiten Teilen an dem Wirkomponentenmodell von Grawe orientiert. 
Der Text ist nicht immer eingach zu lesen, bietet jedoch eine sehr gute, theoretisch fundierte Darstellung mit Anregungen für eine psychomotorische Praxis. 
Der zweite Artikel von Jessel, " Körper und Leib als Navigationshilfen in schwierigen Gewässern", beschrieb den Beratungs- und Fortbildungsprozess der Mitarbeiter und 
Mitarbeiterrinnen sowie die Implementierung der Psychomotorik in den Alltag dieser Intensivwohngruppe für traumatisierte Kinder und Jugendliche aus der Sicht des Fachberaters – ein Prozess in dem der ganzheitliche Ansatz der Psychomotorik deutlich wird, weil hier im Beratungsprozess nicht nur geredet, sondern auch aktiv gehandelt, also leiblich agiert wird. Pädagogischen Fachkräften aus Schülern, Ämtern, Einrichtungen der Erziehungshilfen und im Sozialwesen Tätigen ist dieses Buch zu empfehlen, weil es den Horizont erweitert und sehr gute Anregungen für eine gelungene Praxis der Kinder- und Jugendhilfe bietet. 
 
Dr. Richard Hammer 
Kath. Fachschule für Sozialpädagogik – Saarbrücken 

 

 


In der Ausgabe Februar/2012 des "Sozialmagazin", die Zeitschrift für Soziale Arbeit, erschien als Erstveröffentlichung eine Rezension von Herrn Prof. Dr. Richard Günder über das vor kurzer Zeit erschienene Buch: "Moderne Heimerziehung heute" Band 2 u. 3. Herausgeber Volker Rhein, Geschäftsführer des Ev. Kinderheim Jugendhilfe Herne & Wanne-Eickel gGmbH. Herr Prof. Dr. Richard Günder hat einen Lehrstuhl an der Fachhochschule Dortmund, Fachgebiet: "Angewandte Sozialwissenschaften" und gilt als einer der Koryphäen auf seinem Gebiet.
Die komplette Rezension wurde uns vom Julius Beltz Verlag zur Veröffentlichung freigegeben. Dafür herzlichen Dank.

 

Rezensionstext :


Rhein, Volker (Hrsg.): Moderne Heimerziehung heute.
Band 2 und Band 3. Die systemische Interaktionstherapie und die Psychomotorik in der Intensivpädagogik. Frisch Texte Verlag, Herne 2011, 369 Seiten, 29,95 Euro

Unterschiedliche Evaluationsstudien belegen, dass nachhaltige pädagogische Erfolge in der Stationären Erziehungshilfe zu erzielen sind, wenn in den Einrichtungen ein hoher professioneller Standard realisiert wird.
Das hier vorliegende Buch zeigt modellhaft zwei methodische Ansätze für die Heimerziehung auf: die systemische Interaktionstherapie sowie die Psychomotorik in der Intensivpädagogik.
Die Rezension bezieht sich nur auf Band 2 der Neuerscheinung, auf die systemische Interventionstherapie (S. 13 – 187):

Im ersten Teil des Bandes stellt der Autor Michael Biene den von ihm entwickelten system- und interaktionstherapeutischen Ansatz, das SIT-Modell, vor: Die Inhalte des SIT-Modells sollen bei Kindern und Jugendlichen mit Jugendhilfebedarf eine optimale Förderung durch ihr Umfeld (Familie/Jugendhilfe) bewirken, indem Eltern, weitere Angehörige
sowie das Jugendamt aktiv in den Hilfeprozess einbezogen werden. Schwierigkeiten und Probleme der angesprochenen jungen Menschen werden nicht individualbezogen erklärt und zu verstanden gesucht, sondern lebensweltorientiert als das Resultat von Beziehungsmustern und Rollenzuweisungen interpretiert.
Die Eltern werden als die wichtigsten Bezugspersonen und zugleich auch als bedeutende Experten ihres Kindes wertgeschätzt.
Durch intensive teilnehmende Beobachtungen werden Interaktionen zwischen Eltern, Kind und zugleich auch anderen helfenden Systemen gemeinsam interpretiert, so dass Eltern in die Lage versetzt werden, ihr eigenes Verhalten in Schlüsselsituationen zu hinterfragen, zu überprüfen und auch zu revidieren.
Wesentlich ist hierbei die professionelle (Zurück-)Haltung der Fachkräfte, die es den Eltern in vielen Fällen erst ermöglicht, zu eigenen Einsichten und Veränderungsabsichten
zu gelangen.

Michael Biene beschreibt detailliert und gut nachvollziehbar die Entstehung des SIT-Modells, dessen theoretische Einordnung und vor allem die Schrittfolgen und Handlungsabläufe in den einzelnen Phasen der Systemaktivierung.
Zielsetzung der systemischen Interventionstherapie ist primär, Eltern in die Lage zu versetzen, ihre eigenen Res sourcen zu erkennen, diese zu entwickeln und besser in der Erziehung ihres Kindes zur Geltung bringen zu können. Etwas gewöhnungsbedürftig sind neue Begrifflichkeiten des Konzepts, wie Musterarbeit, Abgabemuster, Problemtrance, Pacing und Leading.

Im zweiten, weniger umfangreichen Teil des Bandes berichten Volker Rhein und Ulrich Klaß über die Umsetzung des SIT-Modells in die Praxis ihrer Institution der Stationären
Erziehungshilfe. Nach einer spezifischen Ausbildung der Fachkräfte wurde der Ansatz der systemischen Interaktionstherapie sowohl in stationären als auch in ambulanten Bereichen umgesetzt: Der familienaktivierende Arbeitsansatz kommt für Familien mit mangelnder Erziehungskompetenz zur Anwendung. Angestrebt werden akute und längerfristige Problemlösungen, vorhandene Ressourcen sollen gestärkt werden. Unterschiedliche Methoden werden nach den Bedürfnissen der Familie ausgewählt. Das
Methodenrepertoire enthält Rollenspiele, Videotraining, Wahrnehmungstraining zur Selbst- und Fremdwahrnehmung, Kommunikationstraining, Life-Begleitung, Teilnahme an Elterngruppen, Teilnahme an Partnergesprächen, Übungen zur Kontakt- und Beziehungsaufnahme.
Die jeweilige Dauer der systemischen Interaktionstherapie orientiert sich an Besonderheiten des Einzelfalles. Die Eltern erfahren in ihren defizitären Alltagssituationen Begleitung und Anleitung, sie erleben feste Tages- und Wochenstrukturen. Wenn sie in der Verbindung mit Elterntrainings zunehmend selbst- und handlungssicherer werden, kann die sozialpädagogische Begleitung und Unterstützung mehr und mehr im häuslichen Umfeld der Familie stattfinden.

In diesem Band zur systemischen Interaktionstherapie wird sehr eindrucksvoll und überzeugend aus Sicht der Theorie, der Ausbildung und vor allem der Praxis dargestellt, wie ein neues Modell der Elternaktivierung im Methodenspektrum von Jugendhilfeinstitutionen implementiert werden kann, wie es gelingt, zu nachhaltigen Erfolgen zu gelangen
und insgesamt zur Erhöhungder Professionalität beizutragen.

Richard Günder

Rezensionen ‚Moderne Heimerziehung heute‘ Band 4

Eine Rezension von Prof. Dr. Uwe Uhlendorff. Technische Universität Dortmund

Universitätsprofessur für Sozialpädagogik mit dem Schwerpunkt Fachdidaktik der Sozialpädagogik an der Technischen Universität Dortmund

 

Seit den 90er Jahren ist eine regelrechte Explosion verschiedener Konzepte von Elternkursen und Elterntrainings zu verzeichnen. Hinter Titeln und Akronymen wie EFFEKT, Eltern-AG, Eltern Coaching, Eltern Stärken, Erziehungsführerschein, Familien Team-Elterntraining, FuN, HIPPY, KESS-erziehen, Opstapje, FET/PET, PALME, PPP-Triple, SAFE, Starke Eltern – starke Kinder, STEEP oder STEP verbergen sich Elternkurse und Trainings, die auf teilweise sehr unterschiedlichen Theorieansätzen basieren, unterschiedliche Zielgruppen ansprechen sowie unterschiedliche methodische Besonderheiten aufweisen. Der Trend geht insbesondere hin zu standardisierten Programmen, was insbesondere im Hinblick auf deren „monopolistische Vermarktung“ kritisch gesehen werden kann. In den Hilfen zur Erziehung haben überwiegend systemische und lerntheoretische Ansätze der Elternaktivierung bzw. Elternarbeit  Eingang gefunden. Der Fortbildungssektor hat sich mittlerweile sehr gut darauf eingestellt, aber auch der Büchermarkt mit einer schier unüberschaubaren Zahl an Handreichungen. Bisher fehlen Studien, die die Umsetzung der Methoden in den sozialpädagogischen Alltag der Hilfen zur Erziehung sowie die Praxiserfahrungen beleuchten. Eine besondere Schwierigkeit für das Leitungspersonal und die Fachkräfte von sozialpädagogischen Einrichtungen besteht darin, die auf Fortbildungen vermittelten Methoden in der eigenen Einrichtung umzusetzen, sie an die Gegebenheiten anzupassen und weiterzuentwickeln.  Der Herausgeberband von Volker Rhein nimmt sich genau dieser Herausforderung an. Im Zentrum des Buches steht die Praxis der „Elternaktivierung“  der Ev. Jugendhilfe Herne und Wanne-Eickel. Hier wurde über mehr als zehn Jahre hinweg auf der Basis der „Systemischen Interaktionstherapie“ nach Michael Biene  (Begründer und ehemaliger Leiter des stationären familientherapeutischen Projekts Triangel in Berlin) in unterschiedlichen Angeboten und Projekten elternaktivierend gearbeitet. Dabei wurde dieses Konzept nicht nur implementiert, sondern auch weiterentwickelt.  Der Herausgeberband versammelt eine Reihe von Beiträgen, die die Praxiserfahrungen aus verschiedenen Projekten und Perspektiven beleuchten. Die Autoren sind oder waren Mitarbeiter der Ev. Jugendhilfe Herne und Wanne-Eickel, aber auch der Begründer des Ansatzes, Michael Biene, kommt zu Wort .

 

In dem ersten Beitrag (von Michael Biene/ Thomas Paluszek/ Mathias Schwabe) wird das Konzept der Systemischen Interaktionstherapie prägnant dargestellt und die Arbeitsweise anhand von zwei Fallbeispielen veranschaulicht. Es zeigt sich, dass der Ansatz im Jugendhilfekontext und weniger im klassischen familientherapeutischen Setting entwickelt wurde. Die Autoren gehen von z.T. provokanten Thesen aus:  Eltern wollen aktiv sein – sie wollen ihre Probleme und die ihrer Kinder selbst angehen und lösen. Wenn Eltern im Hilfeprozess inaktiv sind, ist dies in erster Linie durch Rollenzuweisungen im Hilfeprozess bedingt. D.h. ursächliche Faktoren für die Inaktivität oder Aktivität von Eltern im Hilfeprozess können vor allem Beziehungsmuster zwischen Fachkräften und Eltern sein (S. 20). Entscheidend für die Art der eingesetzten Hilfe ist meist die fachliche Orientierung im Hilfesystem, weniger die Symptomatik der Familie. Eltern brauchen Angebote, die ihnen eine aktive Rolle einräumen. Einige dieser Thesen sind nicht neu, sie wurden, in Folge der Rezeption der Interaktionstheorie bzw. des Labeling Approach Anfang der 1970er Jahre, kritisch auf die Verhaltens-Zuschreibungspraxis der Jugendämter angewendet. Neu und weiterführend an dem Ansatz ist, dass er typische Grundmuster aufzeigt, die die Selbstaktivität der Eltern sowie die produktive Zusammenarbeit zwischen Helfern und Familie  blockieren und zu einer „Scheinkooperation“ führen; und dass er Methoden bereitstellt, die zu einem Kooperationsmuster führen und dabei die Eltern in ihrer Selbstaktivität stärken. Im Unterschied zu vielen systemischen Ansätzen richtet sich das Augenmerk nicht nur auf das Familiensystem, sondern auch auf Helfer-Klienten-System. Diese Perspektive ist innovativ und, wie die Beiträge im Anschluss zeigen, aus sozialpädagogischer Sicht sehr produktiv. Die Autoren unterscheiden zwei Grundmuster: Das „Kampfmuster“ ist von folgenden „Glaubensätzen“ der Familie geprägt: „Es gibt in unserer Familie keine Probleme. Unser Problem sind familienexterne Personen, die uns die Probleme einreden und Druck ausüben. Wir brauchen keine Hilfe, was uns stört, sind die ´Übergriffe` der Fachleute.“ (S. 21). Dem stehen die Glaubenssätze der Fachkräfte konträr gegenüber: „Es gibt erhebliche Probleme in der Familie, sie sollte das einsehen. Die Problemdefinitionen der externen Personen sind richtig. Die Familie sollte das einsehen. Es braucht dringend eine Hilfe durch Fachpersonen. Die Familie sollte die Hilfe ´annehmen` und mitarbeiten.“ (S.22) Das Abgabe-/Abnahmemuster speist sich dagegen aus den Glaubenssätzen: „Unser Kind hat Probleme. Wir als Eltern können damit nicht angemessen umgehen. Es gibt Fachleute, die diese Probleme lösen können.“ (S. 24) Die Fachkräfte denken ähnlich: Das Kind ist problematisch. Die Eltern sind überfordert. Das Kind braucht professionelle Hilfen. Der Ansatz geht von der These aus, dass sich diese Grundmuster verfestigen und zu langjährigen erfolglosen „Jugendhilfekarrieren“ führen.  Anhand von zwei Fallgeschichten zeigen die Autoren, wie mit Hilfe des Ansatzes die beiden blockierenden Grundmuster in eine Kooperationsbeziehung transformiert werden. Wichtige Ansatzpunkte sind dabei die sogenannte „Musterarbeit“, bei der positive  Gegenbilder (Glaubenssätze) mittels einer bestimmten Gesprächsführung entwickelt werden. Die Fachkräfte vermitteln dabei den Eltern, dass sie selbst Experten der Erziehung ihrer Kinder sind. Ausgehend von den Eltern wird ein „Zielplakat“ gestaltet.  Mittels Rollenspielen, Videoanalysen, „Live-Coaching“ und anderen, familiensystemischen Ansätzen entnommenen Methoden wie der Familienaufstellung werden neue Handlungsmöglichkeiten der Eltern entwickelt. Besonders lobenswert ist, dass bei den beiden Fallanalysen die Fallgeschichte nicht nur von der Fachkraft der Einrichtung und des Jugendamtes, sondern auch von den Klienten selbst rückblickend kommentiert wird. Dadurch werden die verschiedenen Sichtweisen auf den Hilfeverlauf besonders gut deutlich. Der Beitrag von Biene/Pauszek /Schwabe liest sich (trotz der Länge von 90 Seiten) hoch spannend. Der Ansatz überzeugt, weil er nicht nur auf interaktionstheoretisch basierte Konzepte zurückgreift, sondern auch auf langjährige eigene (Leid-) Erfahrung als Professionelle in der Jugendhilfe und einer kritischen Selbstreflexion aufbaut. Der Aufsatz wirft aber beim Lesen zentrale Fragen auf:  Der methodische Ansatz scheint besonders auf Familien zugeschnitten zu sein, die auf einen langen mehr oder weniger erfolglosen Hilfeprozess zurückblicken. Kann dieser auch bei Familien angewendet werden, die sich weder im Kampf-  noch im Abgabe-/Annahmemuster verfangen haben? In welchen Bereichen der Hilfen zur Erziehung kann das Konzept umgesetzt werden? Wie sieht die Kooperation zwischen Jugendhilfeträger und Jugendamt aus (das in dem Helfersystem eine entscheidende Rolle spielt)? Wie und mit welcher Unterstützung gelingt es den Fachkräften, die schon Familienarbeit einer Einrichtung leisten und ein ausgeprägtes professionelles Selbstverständnis haben, das Konzept zu adaptieren und zu implementieren? Diese Fragen werden beim Weiterlesen beantwortet.

In dem folgenden Beitrag gibt Volker Rhein (pädagogischer und wirtschaftlicher Geschäftsführer des Ev. Kinderheims, Jugendhilfe Herne & Wanne-Eickel GmbH) einen Überblick wie, in welchen Bereichen der Einrichtung und unter welchen rechtlichen Rahmenbedingungen mit dem SIT-Konzept (Systemisch-interaktionelle Therapie und Beratung) gearbeitet wird.  Es zeigt sich, dass das Modell nicht nur bei Familien, die auf einen „verfestigten“ langjährigen Hilfeverlauf zurückblicken, sondern auch bei anderen Familien eingesetzt wird. Insgesamt bietet der Träger neun unterschiedliche elternaktivierende Angebote auf der Grundlage des SIT-Ansatzes an: Im stationären Bereich (u.a.  im Eltern-Kind-Haus und  der 5-Tage-Wohngruppe), in ambulant/teilstationären Hilfen (wie der Flexiblen Betreuung, Arbeit mit Familien mit essgestörten Kindern, Sozialen Gruppenarbeit mit Eltern sowie der Tagesgruppe in der Schule). Der Ansatz wurde teils in das versäulte System der Hilfen zur Erziehung eingegliedert, teils wurden aber auch gleichsam querliegende Angebote geschaffen, wie z.B. die Elternaktivierung durch Soziale Gruppenarbeit mit Eltern und deren Kindern (auf der Grundlage von §§ 29 und 31 SGB VIII). Zu vermuten ist, dass der Träger erhebliche Überzeugungsleistungen beim zuständigen Jugendamt erbringen musste. Schade, dass darüber nichts gesagt wird, wie die Innovation von der Leitung des örtlichen Jugendhilfeträgers anfangs aufgegriffen wurde.

Letzteres wird ansatzweise in dem daran anschließenden Bericht von Sabrina Rabe-Lipp (Erziehungsleiterin) deutlich. Sie beschreibt, wie sie aus der Wohngruppe für Jugendliche mit essgestörtem Verhalten heraus ein ambulantes Konzept für die Elternaktivierung entwickelt hat. An einem spannenden Fallbeispiel erläutert sie, wie die Zusammenarbeit mit Eltern,  Jugendlichen, Psychotherapeuten und der ASD-Fachkräften gestaltet werden kann. Dabei verwendet sie Auszüge aus ihren Elterngesprächen, die die Gesprächsführung des SIT-Ansatzes sehr gut verdeutlichen. Das Fallbeispiel macht auch die Grenzen des Ansatzes deutlich.

Außergewöhnlich ist der Beitrag von Kristina Sollich, ehemalige Erziehungsleiterin in der Einrichtung. In Form eines biografischen Berichts beschreibt sie, wie sie das in der SIT-Fortbildung Gelernte in ihrer praktischen Arbeit umgesetzt und im Hinblick auf ihr professionelles Selbstbild adaptiert hat.  Sie gibt einen Einblick, wie sich das professionell-biografische Selbstverständnis auch trotz langjähriger Erfahrung  als Familientherapeutin und Supervisorin im Rahmen einer Fortbildung verändern kann. Die Autorin beschreibt anhand eines Fallbeispiels zentrale Schlüsselerlebnisse, die sie mit dem Ansatz gemacht hat.

Wie das SIT-Konzept in der flexiblen Betreuung gestaltet wird, kann man dem Beitrag von Marianne Buch entnehmen. Insbesondere wird hier die Elterngruppenarbeit sehr gut beschrieben, nicht nur von der Autorin selbst, sondern auch von einer Mutter, die an dem Kurs teilgenommen hat und über ihre Erfahrungen berichtet.

Die letzten beiden Beiträge „Körperarbeit mit essgestörten jungen Frauen innerhalb einer stationären Einrichtung“ von Olympia Kirchberg und „Kampf um Anerkennung – eine sozialphilosophische Konflikt-Theorie und ihre Bedeutung für die Sozialpädagogik in der Jugendhilfe“ von Mathias Schwabe sind lehrreich und theoretisch sowie im Hinblick auf die Praxis sehr aufschlussreich. Allerdings fehlt der Bezug zu dem eigentlichen Thema des Buches, was die Autoren sicherlich leicht hätten herstellen können.

Kritisch anzumerken bleibt folgendes: In den Fallbeschreibungen der PraktikerInnen tauchen gelegentlich Begriffe auf, die für Außenstehende nicht verständlich sind, oder sich nur aus dem Kontext erschließen lassen (pacen, chunken, triggern). Diese Begriffe hätte man erläutern müssen, vielleicht kann man auch auf solche Sprachspiele in einer Veröffentlichung verzichten (man kann den Text auch ohne derartige Anglizismen gut verstehen). Bei den Fall-Analysen fällt auf, dass die beiden Muster (Kampf- und Abgabe-/Annahme-Muster) nur auf das Eltern-Helfer-System analytisch angewendet wurden. Einige Fallbeschreibungen machen aber deutlich, dass sich das Kampfmuster im Eltern-Kind-Helfersystem verfestigt hat (während bei dem Eltern-Helfer-System das Abgabe-/Abnahmemuster vorherrscht). Bei der Weiterentwicklung des Modells könnte die Analyse des Eltern-Kind-Helfer-Systems stärker ins Blickfeld gerückt werden. In dem Buch hätte man sich ein selbstkritisches Schlusswort gewünscht, in dem die Grenzen des Konzepts deutlich gemacht werden. Auch bleibt die Frage offen, ob in anderen Einrichtungen ebenfalls mit dem SIT-Ansatz gearbeitet wird und wenn ja, mit welchen Erfahrungen.     

Alles in Allem handelt es sich um ein sehr lesensreiches Buch, das man insbesondere Fachkräften, die in den Hilfen zur Erziehung, im ASD oder der Familienbildung tätig sind, sowie Studierenden der Sozialen Arbeit wärmstens empfehlen kann. Ein weiterer Band, der die Ergebnisse einer Evaluation des Konzeptes darstellt, wäre aus fachpolitischer Sicht sehr wünschenswert!

Uwe Uhlendorff. Technische Universität Dortmund.

 


 

 

Eine Rezension von: Prof. Dr. phil., Dipl.-Soz.päd. Johannes Herwig-Lempp, Halle (Saale)
Seit 1998 Professor für Systemische Sozialarbeit/ Sozialarbeitswissenschaften an der Hochschule Merseburg, Fachbereich Soziale Arbeit.Medien.Kultur

 

Volker Rhein (Hrsg.) (2013), Moderne Heimerziehung heute. Band 4. Systemische Interaktionstherapie und unterstützende Methoden in der Praxis, Herne (FRISCHTEXTE), 29,95 Euro

 

Bereits der Kontext, in dem dieses Buch bzw. die gesamte Reihe „Moderne Heimerziehung heute“ erscheint, ist bemerkenswert: In der Ev. Kinderheim Jugendhilfe Herne & Wanne-Eickel gGmbH wird seit über zehn Jahren die „Systemische Interaktionstherapie (SIT)“ in unterschiedlichen Projekten und Angeboten angewandt. Es handelt sich um ein
„elternaktivierendes“ (genau genommen kann man wohl, auch aus der SIT-Perspektive, davon ausgehen, dass die Eltern bereits aktiv sind und nicht erst „aktiviert“ werden müssen) Konzept, das von Michael Biene (Berlin) für die Jugendhilfe entwickelt wurde. Die vom Geschäftsführer der Einrichtung, Volker Rhein, herausgegebene Reihe versammelt Beiträge der Mitarbeiter/-innen, in denen diese die praktische Umsetzung dieses Konzept in ihrem Arbeitsalltag darstellen. 

Band 4 wird mit einem Beitrag eröffnet, in dem der Erziehungsleiter Thomas Paluszek gemeinsam mit den beiden externen Beratern Mathias Schwabe und Michael Biene eindrücklich zeigt, wie das SIT-Modell anhand von zwei ganz unterschiedlichen Familien sinnvoll angewendet werden kann. Bei der einen Familie hatte sich zuvor zwischen Profis und Eltern – anhand einer Typologie der Autoren – ein „Kampfmuster“ entwickelt, bei der anderen wurde ein „Abgabe-
/Abnahmemuster“ festgestellt. Der Beitrag rekonstruiert im Detail und sehr gut nachvollziehbar, wie in beiden Fällen SIT den Profis ermöglicht, eine andere, „nützlichere“ und kooperativere Haltung einzunehmen. Insbesondere wird deutlich, dass es nicht die KlientInnen sind, die sich als erstes „ändern müssen“. Vielmehr geht man bei diesem Modell davon aus, dass die Profis die Verantwortung für Veränderung zunächst vor allem bei sich selbst sehen – und sie dadurch leichter wirklich werden lassen. Die multiperspektivische Darstellung, bei der neben den Berichten der Mitarbeiter und der externen Berater auch die Sichtweisen der Eltern und der JugendamtskollegInnen aufgegriffen und zudem um Kommentare aus SIT-Sicht ergänzt werden, bereichert das Fallverstehen der LeserInnen.

 

Alle Beiträge des Bandes sind von großer Offenheit, sie geben Einblicke in den Alltag der verschiedenen Arbeitsbereiche des Trägers, sind gerade dadurch anregend – und ermutigen hoffentlich zum Nachmachen: Volker Rhein zeigt, wie das SIT-Modell innerhalb der Einrichtung verstanden und erklärt wird. Sabrina Rabe-Lipp wendet das Modell in der Arbeit mit Familien, in denen Essstörungen vorkommen an – und gibt ein ganz praktisches Beispiel. Auch Kristina Sollich demonstriert ihre Anwendung und ihre Reflektionen durch die gekonnte Kommentierung einer von ihr durchgeführten Beratung – und thematisiert gleichzeitig ihre eigenen, durch die Fortbildung in SIT bewirkten Veränderungen. Ohne konkrete Beispiele, aber dennoch praxisnah stellen Marianne Buch eine von ihr entwickelte Form der Elterngruppenarbeit und Olympia Kirchberg köperorientierte Arbeit mit essgestörten jungen Frauen in einer stationären Einrichtung dar.

Der Band schließt mit einer eher theoretischen, aber dennoch sehr anregenden Betrachtung von Mathias Schwabe, der Konflikte zwischen Jugendlichen und Erwachsenen (also zum Beispiel auch ErzieherInnen und SozialarbeiterInnen) als einen „Kampf um Anerkennung“ beschreibt – und daraus Handlungsoptionen ableitet, so dass es doch wieder praktisch wird.

Die MitarbeiterInnen dieser Einrichtung haben etwas zu erzählen – ihr Buch ist in seiner Praxisnähe und Anschaulichkeit so gelungen, dass es für andere Teams und Einrichtungen nicht nur inspirierend in Bezug auf ihren Alltag sein wird. Es kann zugleich auch ein gutes Beispiel und Vorbild dafür abgeben, wie ein Träger ein bewährtes Modell anwenden, reflektieren und gemeinsam nach außen weitergeben kann: denn möglicherweise haben noch viel mehr Einrichtungen etwas zu erzählen. Auf jeden Fall macht dieser Band Lust auf mehr Informationen von der Basis – und vielleicht regt er weitere Teams an, von sich selbst und der eigenen erfolgreichen Arbeit zu berichten.

Johannes Herwig-Lempp, Halle (Saale)


Eine Rezension von Dr. in phil. Marianne Forstner

Onlinerezension zu ‘Moderne Heimerziehung heute, Band 4′ auf ‘socialnet.de’

 

Auf der Internetplatform www.socialnet.de ist eine Rezension des Buches 'Moderne Heimerziehung heute, Band4' erschienen.

Hier ein Auszug aus der Rezension und der Link auf den Original-Artikel :

"[…]Das vorliegende Buch „Systemische Interaktionstherapie und unterstützende Methoden in der Praxis“, herausgegeben von Volker Rhein (2013), stellt eine anschauliche Sammlung von elternaktivierenden Angeboten, Elterntrainings und Konzepten und Methoden im Bereich der ambulanten und stationären Erziehungshilfen in Verbindung mit dem SIT-Ansatz (Systemische Interaktionstherapie) dar.[…]"

Link zum Artikel auf www.socialnet.de : http://www.socialnet.de/rezensionen/15751.php

Rezension von Prof. Dr. Günder

In der Ausgabe Februar/2012 des "Sozialmagazin", die Zeitschrift für Soziale Arbeit, erschien als Erstveröffentlichung eine Rezension von Herrn Prof. Dr. Richard Günder über das vor kurzer Zeit erschienene Buch: "Moderne Heimerziehung heute" Band 2 u. 3. Herausgeber Volker Rhein, Geschäftsführer des Ev. Kinderheim Jugendhilfe Herne & Wanne-Eickel gGmbH. Herr Prof. Dr. Richard Günder hat einen Lehrstuhl an der Fachhochschule Dortmund, Fachgebiet: "Angewandte Sozialwissenschaften" und gilt als einer der Koryphäen auf seinem Gebiet.
Die komplette Rezension wurde uns vom Julius Beltz Verlag zur Veröffentlichung freigegeben. Dafür herzlichen Dank.

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“Moderne Heimerziehung heute – Band 4″ Herausgeber: Volker Rhein

Eine Rezension von: Prof. Dr. phil., Dipl.-Soz.päd. Johannes Herwig-Lempp, Halle (Saale)
Seit 1998 Professor für Systemische Sozialarbeit/ Sozialarbeitswissenschaften an der Hochschule Merseburg, Fachbereich Soziale Arbeit.Medien.Kultur

 

Volker Rhein (Hrsg.) (2013), Moderne Heimerziehung heute. Band 4. Systemische Interaktionstherapie und unterstützende Methoden in der Praxis, Herne (FRISCHTEXTE), 29,95 Euro

 

Bereits der Kontext, in dem dieses Buch bzw. die gesamte Reihe „Moderne Heimerziehung heute“ erscheint, ist bemerkenswert: In der Ev. Kinderheim Jugendhilfe Herne & Wanne-Eickel gGmbH wird seit über zehn Jahren die „Systemische Interaktionstherapie (SIT)“ in unterschiedlichen Projekten und Angeboten angewandt. Es handelt sich um ein
„elternaktivierendes“ (genau genommen kann man wohl, auch aus der SIT-Perspektive, davon ausgehen, dass die Eltern bereits aktiv sind und nicht erst „aktiviert“ werden müssen) Konzept, das von Michael Biene (Berlin) für die Jugendhilfe entwickelt wurde. Die vom Geschäftsführer der Einrichtung, Volker Rhein, herausgegebene Reihe versammelt Beiträge der Mitarbeiter/-innen, in denen diese die praktische Umsetzung dieses Konzept in ihrem Arbeitsalltag darstellen. 

Band 4 wird mit einem Beitrag eröffnet, in dem der Erziehungsleiter Thomas Paluszek gemeinsam mit den beiden externen Beratern Mathias Schwabe und Michael Biene eindrücklich zeigt, wie das SIT-Modell anhand von zwei ganz unterschiedlichen Familien sinnvoll angewendet werden kann. Bei der einen Familie hatte sich zuvor zwischen Profis und Eltern – anhand einer Typologie der Autoren – ein „Kampfmuster“ entwickelt, bei der anderen wurde ein „Abgabe-
/Abnahmemuster“ festgestellt. Der Beitrag rekonstruiert im Detail und sehr gut nachvollziehbar, wie in beiden Fällen SIT den Profis ermöglicht, eine andere, „nützlichere“ und kooperativere Haltung einzunehmen. Insbesondere wird deutlich, dass es nicht die KlientInnen sind, die sich als erstes „ändern müssen“. Vielmehr geht man bei diesem Modell davon aus, dass die Profis die Verantwortung für Veränderung zunächst vor allem bei sich selbst sehen – und sie dadurch leichter wirklich werden lassen. Die multiperspektivische Darstellung, bei der neben den Berichten der Mitarbeiter und der externen Berater auch die Sichtweisen der Eltern und der JugendamtskollegInnen aufgegriffen und zudem um Kommentare aus SIT-Sicht ergänzt werden, bereichert das Fallverstehen der LeserInnen.

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„Moderne Heimerziehung heute – Band 4“ Herausgeber: Volker Rhein

Eine Rezension von Prof. Dr. Uwe Uhlendorff. Technische Universität Dortmund
Universitätsprofessur für Sozialpädagogik mit dem Schwerpunkt Fachdidaktik der Sozialpädagogik an der Technischen Universität Dortmund

 

Seit den 90er Jahren ist eine regelrechte Explosion verschiedener Konzepte von Elternkursen und Elterntrainings zu verzeichnen. Hinter Titeln und Akronymen wie EFFEKT, Eltern-AG, Eltern Coaching, Eltern Stärken, Erziehungsführerschein, Familien Team-Elterntraining, FuN, HIPPY, KESS-erziehen, Opstapje, FET/PET, PALME, PPP-Triple, SAFE, Starke Eltern – starke Kinder, STEEP oder STEP verbergen sich Elternkurse und Trainings, die auf teilweise sehr unterschiedlichen Theorieansätzen basieren, unterschiedliche Zielgruppen ansprechen sowie unterschiedliche methodische Besonderheiten aufweisen. Der Trend geht insbesondere hin zu standardisierten Programmen, was insbesondere im Hinblick auf deren „monopolistische Vermarktung“ kritisch gesehen werden kann. In den Hilfen zur Erziehung haben überwiegend systemische und lerntheoretische Ansätze der Elternaktivierung bzw. Elternarbeit  Eingang gefunden. Der Fortbildungssektor hat sich mittlerweile sehr gut darauf eingestellt, aber auch der Büchermarkt mit einer schier unüberschaubaren Zahl an Handreichungen. Bisher fehlen Studien, die die Umsetzung der Methoden in den sozialpädagogischen Alltag der Hilfen zur Erziehung sowie die Praxiserfahrungen beleuchten. Eine besondere Schwierigkeit für das Leitungspersonal und die Fachkräfte von sozialpädagogischen Einrichtungen besteht darin, die auf Fortbildungen vermittelten Methoden in der eigenen Einrichtung umzusetzen, sie an die Gegebenheiten anzupassen und weiterzuentwickeln.  Der Herausgeberband von Volker Rhein nimmt sich genau dieser Herausforderung an. Im Zentrum des Buches steht die Praxis der „Elternaktivierung“  der Ev. Jugendhilfe Herne und Wanne-Eickel. Hier wurde über mehr als zehn Jahre hinweg auf der Basis der „Systemischen Interaktionstherapie“ nach Michael Biene  (Begründer und ehemaliger Leiter des stationären familientherapeutischen Projekts Triangel in Berlin) in unterschiedlichen Angeboten und Projekten elternaktivierend gearbeitet. Dabei wurde dieses Konzept nicht nur implementiert, sondern auch weiterentwickelt.  Der Herausgeberband versammelt eine Reihe von Beiträgen, die die Praxiserfahrungen aus verschiedenen Projekten und Perspektiven beleuchten. Die Autoren sind oder waren Mitarbeiter der Ev. Jugendhilfe Herne und Wanne-Eickel, aber auch der Begründer des Ansatzes, Michael Biene, kommt zu Wort .

 

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Hier kann man

Wer kein Paypal-Konto hat, bitte eine Überweisung an die Herner Sparkasse: Kontonummer: 1082569 BLZ: 432 500 30 Auf Wunsch wird eine Spendenquittung ausgestellt.

42 Jahre im Kinderheim

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